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| ZDF Frontal 21 29.04.2008 Arge - Arbeitslose auf Kreuzfahrt |
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Mehrere Dutzend junge Arbeitslose sind von
Jobcentern auf Arbeitsplätze auf
Flusskreuzfahrtschiffen vermittelt worden,
bei denen Stundenlöhne von weniger als drei
Euro gezahlt wurden. Gegenüber dem
ZDF-Magazin Frontal21 hat die Bundesagentur
für Arbeit bestätigt, dass solche
sittenwidrigen Arbeitsverträge mit Hilfe von
mindestens sechs verschiedenen Jobcentern in
Nordrhein-Westfalen abgeschlossen wurden.
In einem Fall soll der junge Arbeitslose
genötigt worden sein, einen rumänischen
Arbeitsvertrag zu unterschreiben, der eine
70-Stunden-Woche zu einem Lohn von 850 Euro
netto im Monat vorsah. Der Betroffene hat
inzwischen bei der Staatsanwaltschaft
Wuppertal Anzeige erstattet gegen Mitarbeiter
der Arbeitsagentur Remscheid.
Von Lohndumping, Knebelverträgen und
illegalen Arbeitszeiten auf
Flusskreuzfahrtschiffen berichtet auch der
31-jährige Sven Kellner. Der gelernte
Mediengestalter war arbeitslos und nahm im
November mit Hilfe seines Jobcenters in Hamm
an einer Umschulung zum Schiffskellner teil.
Doch ein später vermittelter Job sei
unzumutbar gewesen, sagt Kellner. Er habe
rund 18 Stunden pro Tag gearbeitet, sieben
Tage die Woche. "Ich war völlig fertig und
das alles für einen Hungerlohn." Nach vier
Wochen kündigte Kellner und verließ das
Schiff fluchtartig - gemeinsam mit weiteren
Kollegen.
Projekt vorläufig gestoppt
Die Bundesagentur für Arbeit hat gegenüber
Frontal21 Fehler eingeräumt im Zusammenhang
mit dem Hilfsprojekt für Arbeitslose auf
Kreuzfahrtschiffen. Das mit mehreren
hunderttausend Euro geförderte
Arbeitslosenprojekt "Crewing - für
Kreuzfahrtschiffe" ist vorläufig gestoppt
worden. "Wir werden die Zusammenarbeit mit
dem privaten Bildungsträger in Hamm jetzt
intensiv überprüfen. Wenn sich
herausstellen sollte, dass die Vorwürfe
zutreffen, werden wir das Projekt sofort
beenden", sagt Werner Marquis von der
NRW-Regionaldirektion der Bundesagentur für
Arbeit in Düsseldorf.
Bisher haben rund 100 Jobsuchende an dem
Crewing-Projekt teilgenommen. Ihnen wurden
offenbar auch falsche Versprechungen gemacht.
Das Crewing-Projekt gibt eine "100-prozentige
Jobgarantie". Doch viele Arbeitslose warten
nach der Crash-Kurs-Ausbildung vergeblich auf
ihren Traumjob. Zu ihnen gehört auch Serafin
Sahin. Er habe extra seine Ausbildung
abgebrochen, weil ihm das Arbeitsamt eine
"100-prozentige Jobgarantie" versprochen
habe, sagt er Frontal21. "Jetzt warte ich
immer noch auf einen Job."
"Unzumutbare Niedriglöhne"
Die Gewerkschaft ver.di wertet die Fälle als
"Paradebeispiel für die Ausbreitung
unzumutbarer Niedriglöhne." Karl-Heinz
Biesold, ver.di-Fachgruppenleiter
Schifffahrt, redet von "sklavenähnlichen
Arbeitsbedingungen" auf
Flusskreuzfahrtschiffen.
Quelle:
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,187
2,7229107,00.html Tags : Frontal 21 Kreuzfahrt Arge |
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Affichage : 3036
Durée : 454 s |
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